10 Tipps
für eine erfolgreiche Kalibrierung
Tipp 1:
Jedes Thermometer misst seine
ganz „eigene“ Temperatur
Das Wissen darüber, wie und was
das jeweilige Thermometer misst, ist der bedeutendste Aspekt für
eine erfolgreiche Kalibrierung. Denn jedes Thermometer hat eine
„eigene“ Eigenerwärmung, eine andere thermische Masse, auch die
Eintauchtiefe muss für jedes Thermometer angepasst werden. All
diese und weitere Effekte führen, wenn sie nicht beachtet
werden, dazu, dass das Thermometer eine andere Temperatur misst,
als der Anwender zu erwarten hätte. Der Anwender muss also die
Effekte abschätzen und sie entweder eliminieren oder sie in das
Messunsicherheitsbudget einrechnen.
In dem Buch „Traceable
Temperatures: An Introduction to Temperature Measurement and
Calibration“ (genaue Literaturangabe im Anschluss an die
Aufzählung der 10 Tipps) wird beschrieben, welche Effekte ein
Thermometer wie beeinflussen und bietet Lösungsansätze, wie mit
diesen beeinflussenden Faktoren richtig umgegangen werden kann.
Tipp 2:
Thermoelemente
messen keine Temperatur
Thermoelemente messen eine
Temperaturdifferenz
zwischen dem Messpunkt und der
Vergleichsstelle. Wenn Thermoelemente kalibriert werden, müssen
beide Enden des Thermoelementes berücksichtigt werden, um die
Differenz messen zu können (und jede Verbindung dazwischen).
In den meisten Fällen werden einem
Kalibrierlabor jedoch nur ein Messteil und möglicherweise noch
zwei Ausgleichsleitungen, um das Thermoelement an das Messgerät
anzuschließen, geliefert. Effektiv bedeutet das, dass die Hälfte
des Thermoelementes fehlt. Normalerweise müssen die
Messunsicherheiten dann verdoppelt werden.

In dem Buch „Handbook of Temperature Measurement
(Volumes 1-3)“ (genaue Literaturangabe im Anschluss an die
Aufzählung der 10 Tipps) finden Sie ein komplettes Kapitel zu
Thermoelementen.
Tipp 3:
Die Thermospannung wird nicht
an den Messpunkten generiert
Bei Thermoelementen wird
die Thermospannung über einen Temperaturunterschied erzeugt und
nicht an den Verbindungsstellen. Die Thermospannung wird entlang
des kompletten Thermoelementes, an der Stelle, an der ein
Temperaturunterschied (Temperaturgradient) auftritt, erzeugt.
Wenn das Temperaturprofil, in dem das
Thermoelement eingesetzt wird, nicht bekannt ist, ist es
schwierig, eine Kalibrierung durchzuführen.

Sämtliche Aspekte, die bei der Handhabung von
Thermoelementen und für die Thermoelement-Kalibrierung benötigt
werden, sind ebenfalls im „Handbook of Temperature Measurement (Volumes
1-3)“ beschrieben (genaue Literaturangabe im Anschluss an die
Aufzählung der 10 Tipps).
Tipp 4:
Eine ausreichende Eintauchtiefe
ist erreicht, wenn weiteres Eintauchen nicht mehr zu einer
Veränderung der angezeigten Temperatur führt
Eine weit verbreitete
Regel besagt, dass die Mindesteintauchtiefe eines Thermometers
15 mal dem Außendurchmesser plus der 1 ½ fachen Länge des
Messwiderstandes entspricht.
Eine weitere, in der Praxis angewandte Regel,
besagt, dass eine Eintauchtiefe eines Thermometers in einer
umgewälzten Flüssigkeit, die 5 mal dem Außendurchmesser plus die
Länge des Messwiderstandes entspricht, einen
Temperaturanzeigenfehler von 1% ergibt.
Wird ein Thermometer 10 mal dem Außendurchmesser
plus der Länge des Messwiderstandes eingetaucht, variiert die
angezeigte Temperatur in einem Bereich von 0,003 % von der
„wahren“ Flüssigkeitstemperatur. Wenn ein Thermometer, anstatt
in umgewälzte Flüssigkeit, in die Bohrung eines Metallblockes
geführt wird, sollte man, um den Fehler zu erreichen die
Eintauchtiefe verdoppeln.
Tipp 5:
Alle Widerstandsthermometer
haben ein Offset durch Eigenerwärmung
Widerstand kann nicht
direkt gemessen werden! Um den Widerstand berechnen zu können, wird Strom durch einen
Widerstand geleitet und die Spannung gemessen. Unter Anwendung
der „Ohm-Gesetze“ kann dann der Widerstand ermittelt werden.
Wenn Strom durch einen Widerstand fließt, wird
der Draht aufgeheizt. Im Besonderen dann, wenn der Draht noch
dünner ist als menschliches Haar. Der Draht ändert also während
eines Versuches die Temperatur. Um die Eigenerwärmungstemperatur
des Thermometers ermitteln zu können, werden üblicherweise zwei
unterschiedliche Ströme durch ein Thermometer geleitet. Beide
Temperaturen werden dann gemessen und daraus wird die
Eigenerwärmung berechnet.
Mehr zu dem Thema Eigenerwärmung finden Sie im
Buch „Traceable Temperatures: An Introduction to Temperature
Measurement and Calibration“ (genaue Literaturangabe im
Anschluss an die Aufzählung der 10 Tipps).
Tipp 6:
Kalibrierzertifikate sind schon
dann nicht mehr aktuell, wenn der Kunde sie erhält
In Kalibrierzertifikaten
ist oft zu lesen, dass die Messungen nur zu dem Zeitpunkt gültig
sind, an dem sie vorgenommen wurden. Diese Klausel wurde
eingeführt, da es durch den Transport eines guten
Normal-Platinwiderstandsthermometer, wegen der Beeinflussung der
eingebauten Platinspirale, zu einem Anstieg des
Normalwiderstandes kommt.
Der Kunde muss also nach Erhalt des kalibrierten
Thermometers das Zertifikat erneut bestätigen. Dazu sollte die
Messung des Widerstandes am Wassertripelpunkt oder, bei nicht so
präzisen Normalen, am Eispunkt durchgeführt werden. Falls das
Ergebnis dann nicht zufriedenstellend ist, muss das Thermometer
getempert werden, um dann den Wassertripelpunktwert bei einer
erneuten Messung am Wassertipelpunkt wieder auf den
zertifizierten Wert zu bringen.
Normale sollten regelmäßig überprüft werden.
Neben dem Wassertripelpunkt ist auch ein schneller
Stabilitäts-Check über den Galliumpunkt möglich. Der
Galliumpunkt ist einfach zu handhaben und sehr stabil.
Wenn der Anwender bei der Überprüfung des
Normals feststellt, dass es gedriftet ist, dann sind alle
Zertifikate, die mit diesem Normal erstellt wurden, ab dem
Zeitpunkt der letzten Überprüfung ungültig. Es empfiehlt sich
also, nicht zu viel Zeit zwischen den einzelnen Überprüfungen
verstreichen zu lassen.
Tipp 7:
Reduzierung der
Messunsicherheit bei der Vergleichskalibrierung
Auch
mit nicht hochwertigen Kalibratoren können durch gute Verfahren
und genaue Kenntnisse der Eigenschaften gute Ergebnisse erzielt
werden. Es folgen ein paar nützliche Tipps:
- Es ist wichtig ausreichend viel Zeit zur
Stabilisierung des Kalibrators, des Normals und des unbekannten
Thermometers bis zur Erreichung eines thermischen Gleichgewichts
zu investieren.
- Besitzen Sie mehr als einen Referenzfühler.
- Nehmen Sie mehrere Messwerte auf.
- Tauschen Sie das Referenzthermometer und das
zu kalibrierende Thermometer aus und bilden Sie einen Mittelwert.
-
Beide
Thermometer, das Referenzthermometer und das zu kalibrierende
Thermometer, sollten die gleiche Eintauchtiefe haben.
- Die Kalibrierung sollte am
nächsten Tag wiederholt werden.

4 Messwerte halbieren die Messunsicherheit.
16 Messwerte vierteln die Messunsicherheit.
Normalthermometer sollten nicht auf dem üblichen
Postweg, sondern stets per Kurier transportiert werden. Denn der
Großteil aller Reklamationen, von der Drift eines Thermometers
bis hin zur kompletten Zerstörung, passieren auf dem Weg vom
Hersteller zum Kunden.
2. „Handbook of Temperature Measurement (Volumes
1-3)“
Robin E. Bentley
Springer Verlag
ISBN 981-4021-12-1 (set)
1. Technische Temperaturmessung Frank Bernhard Springer Verlag ISBN 3-540-62672-7