| |
Ausstattung eines Sekundärlabors
Das Sekundärlabor wird so
genannt, weil es im Grunde keine „Primär-Normale“ verwendet.
Grundsätzlich werden in einem Sekundärlabor Thermometer in
Vergleichsbädern gegen Normale kalibriert. Die
Vergleichseinrichtungen erzeugen ein Volumen mit einer
konstanten Temperatur, in dem das Normalthermometer zusammen mit
dem unbekannten, zu kalbrierenden Thermometer platziert wird.
Das Normalthermometer wurde vorher in einem Primärlabor
kalibriert. Um hervorragende Messunsicherheiten zu erhalten,
sollte das Normalthermometer gleichzeitig mit dem unbekannten
Thermometer die Temperatur des Vergleichsbades messen.
Ein Sekundär-Kalibrierlabor
braucht also mehrere Thermometer, ein Messinstrument und einige
stabile Widerstände. Es sollte zusätzlich mit einem oder besser
mit zwei Fixpunkten ausgerüstet sein, um seine Thermometer
regelmäßig überprüfen zu können.
Geräte, die für eine Vergleichskalibrierung
benötigt werden:
Die nachstehende Tabelle gibt
einen Überblick über verschiedene Geräte.
|
Temperaturbereich |
Gerätetyp |
| -200°C bis -80°C |
Flüssiger Stickstoff/Cryostat |
| -80°C bis 300°C |
Umgewälzte Flüssigkeitsbäder |
| 300°C bis 700°C |
Fluidisiertes Aluminiumoxydbad |
| 700°C bis 1300°C |
Kalibrieröfen |
Temperaturbereich von -200°C bis -80°C
1. Flüssiger Stickstoffkalibrator
Bei dem flüssigen
Stickstoffkalibrator wird ein Metallblock in flüssigen
Stickstoff getaucht. Die Siedepunkttemperatur von Stickstoff
liegt bei –196°C, sie ist jedoch stark vom Luftdruck abhängig.
Darum werden die Geräte nicht dazu verwendet eine absolute
Referenztemperatur zu erzeugen. Die tatsächliche Temperatur wird
über ein Normalthermometer gemessen, das ebenso wie die zu
kalibrierenden Thermometer, im Block eingetaucht ist.

2. Cryostat
Das Bild zeigt einen Cryostaten. In dem Cryostat
befindet sich ein isolierter Metallblock, der elektrisch geheizt
werden kann. Der Block sitzt in einem großen Behältnis mit
flüssigem Stickstoff. Mit Hilfe der Heizung wird die
Cryostattemperatur ab der Siedepunkttemperatur des Stickstoffes,
die bei ca. –196°C liegt, aufgeheizt. Der Temperaturbereich
dieses Geräts erstreckt sich typischerweise von –180°C bis
–50°C.

Temperaturbereich von -80°C bis 300°C
1. Umgewälzte Flüssigkeitsbäder
Die einfachste Konstruktion eines umgewälzten
Flüssigkeitsbades besteht aus einem umgewälzten Tank, der mit
entsprechender Flüssigkeit gefüllt ist. Diese Konstruktion ist
ausreichend, vorausgesetzt, dass die Temperatur nur in der Mitte
des Tanks gemessen wird. In den Ecken des Tanks wird nämlich die
Flüssigkeit nicht umgewälzt und somit sind dort entweder heißere
oder kältere Bereiche vorzufinden, als in dem Bereich, in dem
die Flüssigkeit umgewälzt wird. Es existieren neben dieser
einfachen Konstruktion noch zwei weitere, bessere
Konstruktionen. Sie werden als
konzentrisches oder
zentrisches Doppelkammerbad
bezeichnet. In diesen Konstruktionen wurden die bestehenden
Grenzen der einfachen umgewälzten Tanks beseitigt.

1.1 Zentrisches Doppelkammerüberlaufbad
In dem zentrischen Doppelkammerüberlaufbad wird
die Flüssigkeit dazu gebracht, in der äußeren Kammer abwärts zu
fließen und in der inneren, zentrischen Kammer aufzusteigen. Die
Heiz- und Kühleinrichtungen befinden sich in der äußeren Kammer.
In der inneren Kammer ist der Kalibrierbereich, in den die
Thermometer eingetaucht werden. Diese Konstruktion ermöglicht
sehr kleine vertikale und axiale Temperaturgradienten.

1.2 Paralleles Doppelkammerüberlaufbad
Bei dieser Konstruktion sind die Heiz-, Kühl-
und Umwälzeinrichtungen in einer von zwei parallelen Kammern.
Die zweite Kammer ist das Kalibriervolumen. Ebenso wie bei dem
zentrischen Doppelkammerüberlaufbad werden durch die zwei
Kammern eine ausgezeichnete Temperaturgleichmäßigkeit und damit
kleinste Kalibriermessunsicherheiten erreicht.

Ein zusätzlicher Vorteil der beiden
Doppelkammerüberlaufbäder, verglichen mit der einfacheren
Konstruktion des großen, rechteckigen Flüssigkeitsbades, ist,
dass zum Füllen der Bäder viel weniger Flüssigkeit benötigt
wird. Diese Bäder werden in der Regel mit Silikonöl gefüllt, das
zum einen sehr teuer ist und zum anderen eine begrenzte
Lebensdauer hat. Bei großvolumigen Flüssigkeitsbädern kostet
eine Füllung meist mehr als das ganze Bad.

Zu beachten:
1. Eintauchtiefe
Ein Schlüsselfaktor bei der Auswahl von
Flüssigkeitsbädern ist die Eintauchtiefe. Für höchste
Genauigkeit und kleinste Messunsicherheiten müssen die
Temperaturfühler ausreichend eingetaucht werden. So wird
verhindert, dass die Wärme entlang des Schutzrohres abfließt.
Diese Wärmeableitung verursacht merkliche Fehler. Auf den so
genannten „Wärmeableitungsfehler“ wird im Kapitel über
„Fehlerquellen“ näher eingegangen.

Die BIPM (Internationales Büro für Maß und
Gewicht)-Veröffentlichung „Supplementary Information for the
ITS-90“ schreibt vor, dass Thermometer in einem
Temperaturbereich von –50°C bis +50°C zwischen 15 und 20 cm
eingetaucht werden müssen und im Temperaturbereich von 200°C und
mehr zwischen 20 und 27 cm.
2. Grenzen der umgewälzten Flüssigkeitsbäder
Die maximale Arbeitstemperatur dieser
Gerätetypen ist begrenzt durch die Auswahl der verfügbaren
Flüssigkeiten. Silikonöle können nicht durchgehend bis zu 300°C
benutzt werden. Der bei hohen Temperaturen entstehende
Silikonqualm oder Alkoholdampf muss abgesaugt und der Raum gut
gelüftet werden. Eine ausreichende Belüftung des Arbeitsplatzes
ist generell notwendig. Um dieser Problematik zu entgehen,
können auch flourierte Flüssigkeiten verwendet werden. Diese
sind sicher und inert, jedoch sehr teuer und verdampfen sehr
schnell.
Temperaturbereich von 300°C bis 700°C
1. Salzbäder
Um oberhalb des Temperaturbereiches der Ölbäder
kalibrieren zu können, werden Salzbäder eingesetzt. Als
Kalibriermedium wird ein Gemisch verwendet, das hauptsächlich
aus Kalium- und Natriumnitrat besteht. Bei Raumtemperatur ist
dieses Gemisch fest. Es schmilzt bei steigenden Temperaturen.
Diese Geräte können bis ca. 550°C eingesetzt werden.
Leider ist der Einsatz dieser Geräte gefährlich.
Es besteht das Risiko der Eruption, die durch Wassertropfen
ausgelöst werden kann. Zudem kann die Verwendung von falschem
Salz oder Aluminium/Magnesium-Materialien im Bad zu Explosionen
führen. Ein weiterer Nachteil ist, dass sich das Salz sehr
aggressiv verhält und einige Metall- und Glasschutzrohre direkt
angreifen kann. Bevor ein Salzbad eingesetzt wird, sollte eine
umfangreiche Risikoabschätzung durchgeführt werden.
2. Fluidisierte Öfen
Eine sicherere Alternative zu den Salzbädern ist
der fluidisierte Ofen. In diesem Ofen wird als Wärmeträger
anstatt Öl oder Salz inertes Aluminiumoxydpulver verwendet. In
den Ofen eingelassene Luft dient als Träger des
Aluminiumpulvers, welches gleichmäßig in dem Kalibriervolumen
verwirbelt wird. Es existieren unterschiedliche
Konstruktionstypen solcher fluidisierter Öfen. Einige von ihnen
werden nicht mehr gerne verwendet, da diese das Pulver in das
Labor abgegeben und damit verstaubt haben. Eine bessere
Konstruktion ist ein geschlossenes System, das kein Pulver in
die Umgebung entlässt. Das sind zentrische Doppelkammerbäder,
die bis zu einer Temperatur von 700°C arbeiten können.

Temperaturbereich von 700°C bis 1300°C
1. Kalibrieröfen
Werden Kalibriervorrichtungen für höhere
Temperaturbereiche benötigt, werden elektrisch beheizte Öfen
verwendet. Das sind Rohröfen,
die üblicherweise einen internen Metallblock, den so genannten
Ausgleichsblock benutzen, um ein Kalibriervolumen zu bilden. Bei
höheren Temperaturen sollten diese Metall-Ausgleichsblöcke
vorsichtig angewendet werden, da sie in reduzierender
Atmosphäre, also in sauerstoffarmer Umgebung, die Thermoelemente
verschmutzen können.

Alternativ zu dem Rohrofen gibt es den
zentrischen
Spherischen Ofen (Kugelofen).
Bei diesen Kugelöfen
treten im
Vergleich zu den Rohröfen die Probleme des Temperaturgradienten
und der Wärmeableitung nicht auf. Bei dem Kugelofen konzentriert
sich die Wärme in der Mitte und wird über Keramikrohre in die
Mitte transportiert. Ein weiterer Vorteil des Kugelofens ist,
dass die verwendete „Keramikspinne“ komplett metallfrei ist und
somit die zu kalibrierenden Thermoelemente nicht verschmutzt.

Normalthermometer
1. SPRTs - Normal-Platinwiderstandsthermometer
In einem Sekundärlabor werden Normalthermometer
zur Vergleichskalibrierung verwendet. Dabei werden die zu
kalibrierenden Fühler mit einem Normalthermometer verglichen.
Die ITS-90 schreibt vor, ein SPRT bis zum Erstarrungspunkt von
Silber (961,78°C) zu benutzen. Jedoch werden
SPRTs in
der Praxis üblicherweise nur bis 660°C benutzt. Für höhere
Temperaturen werden Normal-Thermoelemente verwendet.
SPRTs sind in zwei Varianten erhältlich.
Entweder sind sie in Quarzglas gefasst oder von einem
Metallmantel umgeben. Die in Metall gefassten Thermometer sind
jedoch nicht, wie zu erwarten, robuster. Die interne
Konstruktion eines SPRTs ist immer sehr zerbrechlich. Das
Glasthermometer erinnert den Anwender stets daran, dass das
Gerät zerbrechlich ist und somit wird das in Glas gefasste
Thermometer oftmals mit mehr Vorsicht behandelt.
SPRTs besitzen
normalerweise einen Nennwiderstand von 25,5 oder 100 Ohm bei
einer Temperatur von 0°C. Der Widerstand 25,5 Ohm wurde gewählt,
da bei diesen Thermometern eine Temperaturänderung von 1°C zu
einer Änderung von 0,1 Ohm führt. Mit dieser Empfindlichkeit
lassen sich Temperaturdifferenzen leicht berechnen.

Ein weiterer Vorteil ist, dass ein 25 Ohm
Thermometer mit einem dickeren Draht gefertigt wird als ein 100
Ohm Thermometer. Das führt zu einer größeren Stabilität für 25,5
Ohm Thermometer. Mit steigender Temperatur reduziert sich der
elektrische Widerstand eines Glasmantels. Dieser Widerstand wird
dann, neben den Platindrähten, zu einem so genannten
Parallelwiderstand. Ein 25 Ohm Thermometer wird weniger durch
diesen unvermeidbaren Parallelwiderstand beeinflusst.
Thermometer, die bis zum Silberpunkt (961,78°C)
arbeiten, haben noch viel niedrigere Messwiderstände. Oftmals
werden in diesen Fällen 0,25 Ohm Widerstände verwendet. Auch
solche Thermometer sind in Sekundärlaboratorien zu finden.
Es ist zu beachten, dass nicht alle
Auswärtsinstrumente einen 25 Ohm Fühler auslesen können.

2. Normal-Thermoelemente
Obwohl die Verwendung von
Thermoelementen durch die ITS-90 nicht definiert wird, werden
sie doch oft als Normale benutzt, da viele
Thermoelementkalibrieröfen praktisch nicht mit SPRTs genutzt
werden können.
Normalthermoelemente werden üblicherweise aus
Platin und einer Platin-Rhodium-Legierung hergestellt. Die
reproduzierbarsten Typen sind Typ R und Typ S. Neben diesen
Typen werden auch Platin/Gold-Thermoelemente eingesetzt, da sie
sich hochstabil und reproduzierbar verhalten. Gute
Thermoelemente benutzen dabei eine physikalische
Vergleichsstelle. Für die beste Messunsicherheit wird als
Vergleichsstelle ein Eis/Wasser-Gemisch verwendet oder eine
automatische Eispunktreferenz bei 0°C. Zum Ausmessen der
Thermospannung wird ein präzises Digitalvoltmeter angeschlossen.
Weitere Informationen sind in der Veröffentlichung “Techniques
for Approximation to ITS-90“ (ISBN 92-822-2110-5) vom BIPM
(Internationalen Büro für Maß und Gewicht) zu finden.
Anzeigegeräte
Labor-Auswertgeräte für SPRTs
sollten grundsätzlich in der Lage sein, den
Eigenerwärmungsfehler
korrigieren zu können. Der Eigenerwärmungsfehler ist der Fehler,
der durch das interne Aufwärmen des Messwiderstandes entsteht.
Er entsteht durch den Messstrom, der benötigt wird, um den
Messwiderstand (I2R)
auszumessen.
Diese Geräte sollten
ebenfalls in der Lage sein,
Thermospannungsfehler
zu korrigieren. Diese entstehen, da in den
SPRTs intern Verbindungen zwischen den unterschiedlichen
Materialien bestehen. Zum Beispiel zwischen Platin und Kupfer.
Tritt ein Temperaturgradient zwischen diesen Verbindungen auf,
wird dadurch eine Thermospannung generiert. Durch das Umschalten
der Polarität beim Messen oder durch Wechselspannungsmessungen
können diese Fehler beseitigt werden.

Um kleinste Messunsicherheit zu erreichen,
müssen Verstärkungsfehler
eliminiert werden. Dazu werden Messgeräte benutzt, die nach dem
Prinzip der Brückentechnik arbeiten. Sie vergleichen den
unbekannten Widerstand mit einem Referenzwiderstand.
Auf höchstem Niveau wird dann ein externer
Normalwiderstand in einem temperaturkontrollierten Bad
positioniert. Bei anderen Messmethoden müssen die Geräte
regelmäßig auf Alterung hin untersucht werden. Es liegt in der
Verantwortung des Anwenders sicher zu stellen, dass SPRTs und
entsprechende Auswertgeräte immer innerhalb ihrer Spezifikation
angewandt und die Kalibrierintervalle beachtet werden.
Es ist empfehlenswert die SPRTs regelmäßig an
einem, besser an mehreren Fixpunkten zu überprüfen. Eine
Wassertripelpunktzelle kann genutzt werden, um die Alterung von
SPRTs zwischen den einzelnen Kalibrierungen zu überprüfen. Das
sollte wöchentlich, oder besser noch nach jeder Messung,
durchgeführt werden. Stehen ein Wassertripelpunkt und ein
Galliumpunkt zur Verfügung, kann der so genannte W-Gallium
regelmäßig überprüft werden. Der W-Gallium ist ein Indikator für
eine mögliche Verschmutzung des Platinsensors.
|
|