Die zwei Methoden einer
Kalibrierung
Grundsätzlich werden zwei
Methoden der Temperaturkalibrierung unterschieden: die
Vergleichskalibrierung und die
Fixpunktkalibrierung
1. Die Vergleichskalibrierung
Bei der
Vergleichskalibrierung wird ein zu kalibrierendes Thermometer
mit einem bekannten, kalibrierten Thermometer verglichen. Das
Prinzip der Vorgehensweise basiert auf dem 0. Hauptsatz der
Thermodynamik.
Es existieren vier Hauptsätze der Thermodynamik.
Der 0. Hauptsatz wurde 1848 zwar als letzter Hauptsatz von Sir
William Thomson (Lord Kelvin) entwickelt, doch wegen seiner
fundamentalen Bedeutung nicht als vierter Hauptsatz, sondern als
0. Hauptsatz der Thermodynamik benannt.
Der 0. Hauptsatz besagt: „Wenn sich zwei Systeme
im Gleichgewicht befinden und jedes hat die gleiche Temperatur
wie ein drittes, dann haben auch alle die gleiche Temperatur wie
das Dritte“. Etwas anders ausgedrückt: Wenn zwei Systeme A und B
sich jeweils mit einem dritten System C im thermischen
Gleichgewicht befinden, so stehen alle Systeme untereinander im
Gleichgewicht. Herrscht also in A und B die gleiche Temperatur,
wird in C ebenfalls diese Temperatur zu messen sein.

Anhand dieses Hauptsatzes kann das Prinzip der
Temperaturkalibrierung erklärt werden:
Wenn also ein kalibriertes Thermometer die
gleiche Temperatur angibt, wie sie tatsächlich in einem
Kalibrierbad herrscht, und das zu kalibrierende Thermometer
ebenfalls diese Temperatur angibt, dann messen das zu
kalibrierende Thermometer und das kalibrierte Thermometer die
gleiche Temperatur.
Das trifft jedoch ausschließlich dann zu, wenn
ein Gleichgewichtszustand besteht. In einer realen Welt ist
dieser leider nicht immer der Fall. Im Kapitel über mögliche
„Fehlerquellen“ wird auf dieses Problem näher eingegangen.
Das Normalthermometer,
also die Referenz, mit der das zu kalibrierende Thermometer
verglichen wird, wird verwendet, um eine absolute Messung
durchführen zu können. Für die Verwendung des Normalthermometers
und des Temperaturanzeigers wird ein Kalibrierzertifikat
benötigt, das von einem akkreditierten Labor ausgestellt wird.
Das Vergleichsbad stellt ein Kalibriervolumen
mit einer konstanten Temperatur zur Verfügung, in das die
Thermometer eingetaucht werden. Es wird für das Vergleichsbad
kein Kalibrierzertifikat benötigt, dennoch sollte die
Temperaturstabilität und Homogenität des Bades bekannt sein.
Diese Werte können in einem Untersuchungsbericht aufgeführt
werden. Die Leistungsfähigkeit des Vergleichsbades ist einer der
Faktoren, der für die Qualität einer Kalibrierung bestimmend
ist.
2. Fixpunktkalibrierung
Der Brockhaus definiert
den Fixpunkt als „physikalisch sehr genau definierten,
experimentell verhältnismäßig leicht einstellbaren
Temperaturpunkt reiner Stoffe (wie Tripel-, Schmelz-,
Erstarrungspunkte) zur gesetzlichen Festlegung einer
Temperaturskala und zur Eichung von Thermometern.“ [1]
Als ein Beispiel für einen Fixpunkt kann ein
Gefäß mit schmelzendem Eis betrachtet werden. Bei 0,01°C liegt
der Temperaturpunkt, an dem hochreines Wasser erstarrt und Eis
schmilzt.
In den vergangenen Jahrzehnten gab es bereits
verschiedene Temperaturskalen, die immer weiter präzisiert
wurden. 1990 löste die aktuell gültige „Internationale
Temperaturskala“ (ITS-90) die davor gültige „Internationale
Temperaturskala von 1968“ (IPTS) ab.
So war früher der Eispunkt ein Fixpunkt, der
jedoch 1954 durch den Wassertripelpunkt ersetzt wurde. Der
Wassertripelpunkt ist präziser und reproduzierbarer darstellbar
als der Eispunkt.
Im Bereich von -189°C bis 962°C wird die ITS-90
über 9 Fixpunkte definiert. Die definierenden Fixpunkte sind
thermodynamische Gleichgewichtszustände während der
Phasenübergänge reiner Substanzen. Die
Phasen-Temperaturübergänge an den Fixpunkten werden mit
festgelegten Normalgeräten gemessen, die an den Fixpunkten
kalibriert werden. Die ITS-90 schreibt ein
Normalplatin-Widerstandsthermometer (SPRT) für diesen Zweck vor,
es wird Interpolationsgerät genannt.
Fixpunkt
|
Zustand
|
Temperatur in °C
|
| Argon |
Tripelpunkt |
-189,3442 |
| Quecksilber |
Tripelpunkt |
-38,8344 |
| Wasser |
Tripelpunkt |
0,010 |
| Gallium |
Schmelzpunkt |
29,7646 |
| Indium |
Erstarrungspunkt |
156,5985 |
| Zinn |
Erstarrungspunkt |
231,928 |
| Zink |
Erstarrungspunkt |
419,527 |
| Aluminium |
Erstarrungspunkt |
660,323 |
| Silber |
Erstarrungspunkt |
961,78 |

Die ITS-90 definiert
Anforderungen an SPRTs. Und sie stellt die notwendige Mathematik
zur Verfügung, um die SPRTs als Interpolationsinstrument
verwenden zu können. Das heißt, die ITS-90 ermöglicht es, den
elektrischen Widerstand des SPRTs in Temperatur umzurechnen.
Es gibt unterschiedliche Typen von ITS-90
Fixpunkten. Fixpunkte können eine offene oder eine geschlossene
Konstruktion haben.
Da die Ausrüstung, mit der ein nationales Labor
arbeitet, sehr teuer und spezialisiert ist, ist es schwer, diese
wirtschaftlich zu betreiben. Es gibt jedoch eine weitere Gruppe
von Zellen, die speziell für die Anwendung in Sekundärlaboren
und industriellen Laboratorien konstruiert wurden. Die Rede ist
von „Schlanken Zellen“. Sie sind in der Industrie von großem
Nutzen, da sie eine hohe Genauigkeit der Kalibrierungen mit
hervorragenden Messunsicherheiten ermöglichen und sich dabei
wirtschaftlich betreiben lassen.
Schlanke Fixpunktzellen können in industriellen
Kalibriergeräten, wie zum Beispiel Blockkalibratoren, in Betrieb
genommen werden.

Der Wasser-Tripelpunkt ist
der wichtigste Fixpunkt, der zur Kalibrierung von Thermometern
nach der Internationalen Temperaturskala von 1990 verwendet
wird. Der Wasser-Tripelpunkt stellt sich bei der Temperatur ein,
bei der hochreines Wasser in allen drei Aggregatzuständen
vorliegt. Also das Wasser gleichzeitig flüssig, fest und
gasförmig ist. Es ist der einzige darstellbare, definierende
Fixpunkt, der sowohl bei der Kelvin thermodynamischen
Temperaturskala (KTTS) und der ITS-90 vorkommt. Der zugehörige
Wert dieser Skalen ist 273,16K (0,01°C).

Die thermodynamische Temperaturskala ist per
Definition linear. Der tiefste Wert ist der absolute Nullpunkt.
Er liegt bei 0K, das entspricht -273,15°C. Das ist die
Temperatur, an der die molekulare Energie an ihrem absoluten
Minimum liegt. Bis hierhin gelten die Regeln der Thermodynamik.
Für die thermodynamische Temperaturskala wird neben dem
Nullpunkt nur noch ein weiterer Punkt benötigt, nämlich der
Wasser-Tripelpunkt.
Es ist zu beachten, dass eine
Temperatureinteilung von 1°C identisch ist mit der
Temperatureinteilung von 1K.

Ein Beispiel für eine
Kalibrierung an einem ITS-90 Fixpunkt
Gallium ist ein Metall, das bei
29,7646°C schmilzt. Eine Galliumzelle besteht aus einem
geschlossenen Behältnis mit reinem Gallium, das in der Mitte
einen Messkanal hat, in welchem das Thermometer eingegeben wird.
Die Zelle wird im Galliumkalibrator in Betrieb genommen.
Die Aufgabe des Kalibrators ist
es, die Zelle entweder zu heizen oder zu kühlen.
Bei Raumtemperatur (22°C) ist
das gesamte Material in der Zelle erstarrt.

Wird der Kalibrator in den
Schmelzmodus geschaltet, steigt die Temperatur des Kalibrators
auf 30,2°C. Anfänglich steigt dann auch die Temperatur in der
Zelle bis sich ein Plateau einstellt. Das ist der Punkt, an dem
das Gallium anfängt zu schmelzen, also der Übergang vom festen
in den flüssigen Zustand beginnt. Während dieser Übergangsphase,
bis das ganze Metall geschmolzen ist, bleibt die Temperatur
konstant bei 29,7646°C. Das verhält sich so, da während dieser
Phase die zugeführte Wärme für den Schmelzvorgang benötigt wird.
Erst wenn das gesamte, zunächst erstarrte Metall sich in
flüssiges Metall gewandelt hat, steigt die Temperatur bis auf
die vorgegebene Temperatur des Kalibrators.
Die zeitliche Periode der
konstant gehaltenen Temperatur wird Schmelzplateau genannt und
kann über viele Stunden gehalten werden. Während dieser Zeit
können Thermometer zur Kalibrierung in die Zelle gegeben werden.
Die Temperatur des Plateaus ist nicht abhängig von der
Genauigkeit des Kalibrators, sondern nur von der Reinheit des
Metalls, einer Naturkonstante.
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1 Brockhaus - Die Enzyklopädie,
20., überarbeitete und aktualisierte Auflage, Band 7, F.A.
Brockhaus, Leipzig - Mannheim, 1997
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